Was die Fußball-WM über Projektmanagement lehrt – erklärt am Panini-Album

Rollen, Ressourcen, Konflikte: ein Sammelalbum als Organisationsdiagramm

Quelle: eigenes Foto

Sonntag, Küchentisch, Handys offen, Listen und Pickerl auf dem Tisch. „Welche hast du jetzt, die wir der Dame anbieten können." – „Nein, das habe ich schon von meinem Schulkollegen bekommen." – „Wenn du mir keine Antwort geben kannst, dann mach deine Sachen halt selbst, ist nicht mein Sammelalbum."

Ich habe an diesem Tag nichts gesagt. Ich habe nur zugehört. Und mir gedacht: Das hier ist ein Organisationsdiagramm. Nur mit Stickern statt Kick-off-Meeting.

Ein Album, ein Projekt, zu wenig Klarheit

Ein Panini-Album zur Fußball-WM ist, wenn man es nüchtern betrachtet, ein zeitlich befristetes Projekt mit klarem Ziel (Album voll), begrenztem Budget (Taschengeld plus elterliche Nachschusspflicht), mehreren Stakeholdern (Kinder, Eltern, Tauschpartner:innen in der Klasse oder über Plattformen) und einem externen Lieferanten (Kiosk, Supermarkt, Online-Shop). Es gibt Deadlines – die WM ist irgendwann vorbei, und ein halbvolles Album drei Wochen nach Schlusspfiff hat niemand mehr am Radar.

Und trotzdem beginnt kaum ein Familienprojekt so planlos. Keiner definiert vorher, wer was macht. Es passiert einfach – und genau da beginnt das, was ich in Unternehmen jeden Tag sehe: Rollen entstehen implizit, nicht explizit. Und implizite Rollen sind der Nährboden für Konflikt.

 

Wer übernimmt was? Die stille Rollenverteilung

Schauen Sie sich ein Panini-Projekt einmal mit Projektleitungs-Brille an:

Wer initiiert? Meistens das Kind mit der größten Begeisterung – nicht zwingend das mit dem größten Organisationstalent. Klingt bekannt? In Unternehmen ist es oft dieselbe Person, die ein Projekt anstößt, aber nicht zwingend die, die es tragen sollte.

Wer finanziert? Die Eltern, Großeltern und die Kinder selbst – aber meist ohne vorher ein Budget zu definieren. Ein Tütchen kostet wenig. Dreißig Tütchen über sechs Wochen sind ein Budgetposten. Ohne Obergrenze entsteht Kostendrift. Auch das: bekannt.

Wer pflegt die Lieferantenbeziehung? Also: Wer geht regelmäßig einkaufen, kennt den Trafikanten mit den frischen Kartons, weiß, wann Nachschub kommt, weiß, wer viele doppelte Sticker hat und die nur tauscht und nicht verkauft? Diese Rolle wird selten bewusst vergeben. Sie fällt der Person zu, die zufällig öfter an der Trafik vorbeikommt – und wird dann stillschweigend als „deren Aufgabe" gesetzt. Bis sie es eines Tages nicht mehr macht. Und dann ist plötzlich unklar, wer eigentlich zuständig ist.

Wer verwaltet die doppelten Sticker? Die Tauschlogistik mit Mitschüler:innen und über Plattformen ist ein eigenes kleines Beschaffungswesen – mit eigenen Verhandlungsregeln, eigener Währung (Star-Sticker zählen doppelt) und eigenem Konfliktpotenzial, wenn ein Tausch als unfair empfunden wird.

Vier Rollen. Selten vier bewusste Entscheidungen.

Ein Album, ein Projekt, zu wenig Klarheit

Ein Panini-Album zur Fußball-WM ist, wenn man es nüchtern betrachtet, ein zeitlich befristetes Projekt mit klarem Ziel (Album voll), begrenztem Budget (Taschengeld plus elterliche Nachschusspflicht), mehreren Stakeholdern (Kinder, Eltern, Tauschpartner:innen in der Klasse oder über Plattformen) und einem externen Lieferanten (Kiosk, Supermarkt, Online-Shop). Es gibt Deadlines – die WM ist irgendwann vorbei, und ein halbvolles Album drei Wochen nach Schlusspfiff hat niemand mehr am Radar.

Und trotzdem beginnt kaum ein Familienprojekt so planlos. Keiner definiert vorher, wer was macht. Es passiert einfach – und genau da beginnt das, was ich in Unternehmen jeden Tag sehe: Rollen entstehen implizit, nicht explizit. Und implizite Rollen sind der Nährboden für Konflikt.

 

Wer übernimmt was? Die stille Rollenverteilung

Schauen Sie sich ein Panini-Projekt einmal mit Projektleitungs-Brille an:

Wer initiiert? Meistens das Kind mit der größten Begeisterung – nicht zwingend das mit dem größten Organisationstalent. Klingt bekannt? In Unternehmen ist es oft dieselbe Person, die ein Projekt anstößt, aber nicht zwingend die, die es tragen sollte.

Wer finanziert? Die Eltern, Großeltern und die Kinder selbst – aber meist ohne vorher ein Budget zu definieren. Ein Tütchen kostet wenig. Dreißig Tütchen über sechs Wochen sind ein Budgetposten. Ohne Obergrenze entsteht Kostendrift. Auch das: bekannt.

Wer pflegt die Lieferantenbeziehung? Also: Wer geht regelmäßig einkaufen, kennt den Trafikanten mit den frischen Kartons, weiß, wann Nachschub kommt, weiß, wer viele doppelte Sticker hat und die nur tauscht und nicht verkauft? Diese Rolle wird selten bewusst vergeben. Sie fällt der Person zu, die zufällig öfter an der Trafik vorbeikommt – und wird dann stillschweigend als „deren Aufgabe" gesetzt. Bis sie es eines Tages nicht mehr macht. Und dann ist plötzlich unklar, wer eigentlich zuständig ist.

Wer verwaltet die doppelten Sticker? Die Tauschlogistik mit Mitschüler:innen und über Plattformen ist ein eigenes kleines Beschaffungswesen – mit eigenen Verhandlungsregeln, eigener Währung (Star-Sticker zählen doppelt) und eigenem Konfliktpotenzial, wenn ein Tausch als unfair empfunden wird.

Vier Rollen. Selten vier bewusste Entscheidungen.

Der Mini-Kick-off fürs nächste Sammelalbum

Falls bei Ihnen zuhause demnächst ein neues Album startet – oder Sie das Prinzip lieber gleich im Projektteam anwenden wollen –, reichen drei Fragen für einen Zwei-Minuten-Kick-off:

Wer übernimmt was – und ist das allen klar, nicht nur der Person selbst?

Wie hoch ist das Budget, und wer entscheidet, wenn es überschritten wird?

Was bedeutet „fertig" – und für wen muss dieses Ziel eigentlich stimmen?

Kein Meeting braucht eine Agenda mit vier Punkten. Aber jedes Projekt – ob mit Klebealbum oder Gantt-Chart – braucht diese drei Antworten, bevor es losgeht.


Wenn Sie erkennen, dass in Ihrem Team dieselben Reibungspunkte entstehen wie am Küchentisch beim Stickertausch – nur mit höheren Einsätzen –, sprechen wir gerne darüber, wie sich Rollen und Erwartungen rechtzeitig klären lassen. Bevor es eskaliert, nicht danach.

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